Badische Zeitung vom Donnerstag, 4. November 2004
Freiburg Stadtteile
Kunst, wohin man schaut Abo
Die Freiburger Künstlerin Ruth Gast schafft bevorzugt großflächige, farbenfrohe Bilder

Von unserem Mitarbeiter Harald Albiker
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"Hunger" heißt dieses großflächige Bild von Ruth Gast, die seit 1997 in Freiburg lebt. FOTOS: HARALD ALBIKER
WIEHRE. Das Atelier von Ruth Gast - einer Künstlerin, die sich ganz der freien Ölmalerei, der Grafik mit Radierungen und dem Gestalten von Skulpturen verschrieben hat - befindet sich im Künstlergemeinschaftshaus in der Basler Straße. Der knapp 20 Quadratmeter große Kellerraum strotzt von Leben: Großflächige, farbkräftige Werke mit zumeist holzschnittartig dargestellten Menschen stehen oder hängen neben abstrahierten Holzplastiken.
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Die Künstlerin neben einer ihrer grob herausgehauenen und kräftig bemalten Holzplastiken.

Ruth Gast lebt ihre Kunst, stellt sich immer neuen Herausforderungen, blüht nach eigenen Worten auf, wenn ihr neue Aufgaben gestellt werden. Die Faszination durch die Kunst hat für die heute 40-Jährige, die 1997 nach Freiburg zog, recht früh begonnen. Schon als Kind begegnete sie im Elternhaus in Hannover vielerlei Kunstobjekten. Recht bald habe sich ihr Talent in Kinderbildern gezeigt, und immer wieder habe es gerade von ihrer Mutter, einer Kunsterzieherin, aufmunternde, sie weiterführende Tipps gegeben. So sei in ihr der Wunsch gewachsen, selbst Künstlerin zu werden. Kurz nach dem Abitur ging sie an die Hochschule der Künste in Berlin und studierte freie Malerei.

Sie ist aber auch sehr musikalisch und begann mit zwölf Jahren, Trompete zu spielen. Diesem Hobby ging sie in mehreren Bands nach, und sie gibt noch heute gelegentlich Trompetenunterricht. Die Leidenschaft für die Musik spiegelt sich öfters auch in ihren Werken wieder. Etwas anderes als Kunst, so meinte Gast, käme für sie nie in Frage, sie widme sich nahezu ganz dieser für sie zur Berufung gewordenen Aufgabe. ( ... )

Das Atelier zeigt es: Ruth Gast arbeitet viel, schnell und gründlich. Entsprechend zahlreich ist die Zahl ihrer Ausstellungen in und rund um Freiburg. Jüngst gelang ihr sogar der Sprung in zwei Galerien in Basel - stets ein Traum jüngerer Künstler, wie sie sagt. Viele ihrer zumeist expressionistischen Werke tragen gesellschaftskritische Züge und wollen nach ihren eigenen Worten auf sanfte Weise "missionieren". Zu ihren Vorbildern zählt sie Künstler wie Pablo Picasso und Max Beckmann.

Eine Auswahl von Bildern und Skulpturen Ruth Gasts ist noch bis zum 24. November in der Sparkassenfiliale an der Elsässer Straße im Stadtteil Mooswald zu sehen.


 Badische Zeitung vom Dienstag, 20. Mai 2003

Kultur Joker, Oktober 2003

Selbstbildnis mit Helfer

Ruth Gast in der Werkstatt Galerie

 Als einer ihrer Lehrer Ruth Gast während des Studiums an der Hochschule der Künste Berlin auf ihre innere Ver­wandtschaft mit Max Beckmann hinwies, wurde der jungen Malerin klar, dass hier eine Persönlichkeit und eine Position war, mit der sie sich auseinander setzen konnte. Den Einfluss der Expressionisten kann ihr Werk kaum leugnen: die Farben sind ausdrucksstark und pastos auf den Untergrund gesetzt, die Formen eckig und meist durch schwarze Linien begrenzt. Die Figur dominiert im Werk von Ruth Gast. Häufig sind die abgebildeten Frauen wie im Falle von "Die Malerin" Selbstbildnisse. So hält die 1964 in Hannover geborene Gast hier den Akt des Malens fest. Selbstbewusst steht die Künstlerin im Vordergrund, die großen, dunklen Augen sind geradeaus gerichtet, ein kleiner Helfer, den Ruth Gast auch als Muse verstanden wissen will, hält die Palette. Die Ölbilder wirken aufgrund des großen Farbenspektrums fröhlich, fast südländisch und exotisch. Um so mehr, als sich die Malerin auf ungewöhnliche Sujets kapriziert: Piratinnen und Kriegerinnen sind die Heldinnen ihrer Arbeiten. Die Figur des Abenteurers, der die Heimat verlässt, um mittels Gewalt neue Gebiete zu erobern und reich zu werden,

wechselt bei ihr wie selbstverständlich das Geschlecht. Den Hut schief auf dem Kopf, den Säbel im Gürtel baumelnd, liegen der Seefahrerin nicht nur der Fang aus dem Meer zu Füßen, auch die Mannschaft kuscht hier unübersehbar. Überhaupt sind die Männer in Gasts Arbeiten auf ein sehr überschaubares Maß geschrumpft oder gleich ganz weggelassen. Selbst in ihrem Werk "Harem" manifestiert sich einmal nicht der männliche Blick, die Ungezwungenheit der Frauen ist absichtslos in Szene gesetzt, sucht nicht den Voyeur und will auch nicht verfuhren. Häufig herrscht in Gasts Ölbildern eine drangvolle Enge - eine Aggressivität, in der sich eine Beklemmung ausdrückt, die durch die Kraft ihrer Farben abgemildert wird. Obgleich auch bei ihren Holzskulpturen deutlich die Abhängigkeit vom deutschen Expressionismus sichtbar wird, lassen diese eine eigenständigere Gestaltung erkennen. Meist sind die menschlichen Figuren oder die Tiere nur grob aus einem Stück Holz gehauen, charakteristische Partien wie die Augen betont sie durch Bemalungen. Neben einem "Mann kurz vor dem Urinieren" sind auch hier die starken Frauen vorherrschend. Bei der Figurengruppe "Generationen" bieten die Knie der Frau gleich noch Platz für zwei Kinder.

Expressive Frauendarstellung
von Ruth Gast

Die Ausstellung ist noch bis zum 2. November in der Werkstatt Galerie, Karlsstr. 67, Freiburg, zu sehen. Öffnungszeiten: sa 15-17 Uhr, so 11-13 Uhr.
Annette Hoffmann

KUNST



Badische Zeitung vom Freitag, 5. August 2005
Breisach
Kleine, besondere Persönlichkeiten
Ruth Gast und Silvie Berrod zeigen in Breisach ihre Werke

BREISACH. Wer zurzeit am „Kunstwerk" in der Richard-Müller-Straße vorbei geht und einen Blick ins Schaufenster wirft, wird unwillkürlich von Figuren in den Bann gezogen, die schweigend und in sich ruhend dem Betrachter entgegen blicken. Sie sind aus Holz, ihre Gestalt ist grob heraus gehauen und mit Farbe bemalt. Wer seinen Fuß ins Innere des Ausstellungsraumes setzt, entdeckt weitere Figuren, alles kleine Persönlichkeiten, die den Betrachter dazu anregen, sich mit ihrem Wesen auseinander zu setzen.
Manche sind nackt, während anderen angedeutete Kleider auf den Leib gemalt sind. Allen gemeinsam ist die karge Bearbeitung, die den zugrunde liegenden Holzblock nicht verleugnet, sondern kunstvoll in den Gesamtausdruck der Figur integriert. Nicht alle sind aus einem Stück gehauen) manchen wurden Arme oder andere Körperteile angefügt. Als hätte jemand einem Holzstück Leben eingehaucht, so wirken die expressionistischen Statuen, die in vielen Größen zu betrachten sind.
Die Künstlerin, die diese Geschöpfe zum Leben erweckt hat, heißt Ruth Gast und lebt in Freiburg. Studiert hat sie Malerei an der Hochschule der Künste in Berlin. Ihr künstlerisches Schaffen ist breit angelegt. Außer mit Bildhauerei beschäf­tigt sie sich auch mit Malerei und grafischer Gestaltung.
In der gegenwärtigen Ausstellung sind neben den Holzplastiken aber nur noch ihre Kleinplastiken zu sehen, kleine Figuren aus Speckstein, die in üppiger Zahl die Ausstellungsfläche bevölkern. Zumeist Tiere, hier ein Fisch, dort ein Elefant, oft auch ein Fantasietier, ebenfalls nur grob aus dem Stein heraus gehauen und teilweise bemalt, sind auf einem Metallstab, der in einem Holz- oder Ytongsockel steckt, an gebracht. Auch hier ist die ursprüngliche Steinform oft noch zu erah­nen und in die Gestaltung integriert.
Doch nicht nur Plastiken sind gegenwärtig im „Kunstwerk" ausgestellt. Auch Bilder in Mischtechnik von Silvie Berrod aus Paris warten darauf, von den Besuchern entdeckt zu werden. Dabei hat die Malerin nicht nur die herkömmliche Betrachtungsweise im Blick, sondern wendet sich ausdrücklich auch an sehbehinderte Menschen, die sie zum Ertasten der Exponate auffordert. Dass hierzu die Oberflächenstruktur der Bilder einiges zu erzählen hat, liegt auf der Hand. Auf einer auf die Leinwand gelegte Gipsschicht wurde auf verschiedene Weisen weitergearbeitet. Zum Teil sind dünne Papiere in die Oberfläche eingearbeitet, deren Falten erhabene Linien bilden.
Auf anderen Bildern sind metallene Gegenstände, wie etwa der Teil eines Türschlosses, angebracht, die aus der Bild-Oberfläche herausragen. Kratzspuren in der dick aufgetragenen Gips- und Farbschicht lassen an die Spuren von Schlittenkufen denken und geben dem Bild Tiefe, während die Metallgegenstände wie Bauwerke in einer Landschaft wirken.
Durchweg abstrakt sind ihre Bilder, oft monochrom in dunklen Erdfarben gehalten. Durch die Verwendung von Bitumen schafft Silvie Berrod bei manchen Bildern eine glatte, glänzende Oberfläche, die die Wirkung der eingesetzten Farben noch unterstreicht.                        
Friedel Scheer

Ruth Gast zeigt beim Kunstforum Schluchsee, dass sie zu einer eigenen Aussage gefunden hat
Ernsthaftigkeit ohne Effekthascherei
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SCHLUCHSEE. Das Kunstforum Schluchsee hat am Sonntag die erste Ausstellung des Jahres eröffnet.

Ruth Gast stammt aus Norddeutschland und hat einen Teil ihrer Kindheit auf einer Insel zugebracht, ehe sie über ein Studium in Berlin nach Freiburg umsiedelte. Zwar entsprach die Begegnung mit den modernen Stilrichtungen der Malerei, mit der sie in Berlin an der Akademie Bekanntschaft machte, ihrer Neugier auf gestalterische Möglichkeiten. Aber weder die Enge der Hochschule noch die Hektik der Großstadt schienen die richtige Basis für die Ausbildung einer eigenen Aussage.

Zu dieser scheint sie in der letzten Zeit gekommen zu sein, und sie drückt sie mit unhinterfragter Sicherheit aus, selbst wenn mancher ihr entgegenhalten wird, dass sie noch stark unter dem Einfluss der deutschen Expressionisten, etwa eines Beckmann steht. Dennoch gibt es da eine ganz eigene Farblichkeit,

aber eigentlich auch keine traurigen, sie lassen keine Wertung dieser Art zu. Sie sind wohl das, was man ernsthaft nen­nen kann, ohne Effekthascherei der mo­dernen Art. Die Ernsthaftigkeit eines forschenden Kindes kommt dem Eindruck vielleicht am nächsten, wenn man sich denn überhaupt um Inhalte bemühen will und nicht die leuchtenden, dennoch harmonischen Farben in ihrem Wech­selspiel auf sich wirken lassen möchte.

Neben den Bildern zeugen einige kleinere, farbig gestaltete Figuren von der neuen Beschäftigung, dem Holzschnitt und seinem Material. Es gibt so etwas beim frühen Feininger, und daran erinnert der „Vogel", die „Katze" oder „Die Symbiotischen".

Diese Künstlerin steckt, wie man auch im Gespräch mit ihr merkt, noch ganz in der Entwicklung mit viel Neugier nach dem, was um die Ecke wohl kommen wird.  

Eines der Bilder von Ruth Gast in der neuen Ausstellung in Schluchsee
FOTO: URSULA SCHMIDT
stark, aber nie brutal, leuchtend, aber nie grell, sicher in den nötigen Spannungsfeldern, wobei es fast nebensächlich scheint, was da stark gegenständlich und erkennbar zu sehen ist, etwa „Kinderspiel", „Seebestattung", „Die Wartenden". Es sind keine fröhlichen Bilder
Ursula Schmidt



18KULTUR IN DER REGION Der Sonntag 21. Februar 2010

Die Augen glänzen, doch wohin geht der Blick? Ruth Gast Figuren lassen Raum für die Fantasie.

Holz, Stahl und Farbe
AUSSTELLUNG Ruth Gast und Thomas Matt in Badenweiler

Bilder der Freiburger Künstlerin Ruth Gast und Skulpturen des Bildhauers Thomas Matt aus Falkau sind derzeit in der European Art Gallery in Badenweiler zu sehen. So verschieden die Werke der beiden Künstler auch sind – beide lassen reichlich Raum für die Fantasie des Betrachters.

ALEXANDER HUBER

Nein, meint Galeristin Angela Lenz, irgendwelche Verbindungen zwischen den in Grau-und Brauntönen gehaltenen Stahl-und Holzskulpturen von Thomas Matt und den in geradezu explosiver Farbigkeit präsentierten Szenen von Ruth Gast, ließen sich kaum herstellen. „Aber ich hatte das Gefühl, dass die Werke der beiden Künstler sich gegenseitig tragen. Das hat mir gut gefallen“, meint Lenz.

Tatsächlich ist wohl die einzige Gemeinsamkeit, dass sowohl Gasts als auch Matts Kunst den Betrachter sehr schnell zum Nach-und Weiterdenken einlädt. Die beiden Künstler erreichen das auf ganz unterschiedlichen Wegen. Ruth Gasts Gemälde, auf denen großflächige Figuren mit großen Köpfen und Augen dominieren, verzichten auf Abstraktion, sind aber umso mehr mit einer Symbolik aufgeladen, die Raum für mancherlei Deutungen lässt. So sind zwar auf allen Bildern mehrere Personen zu sehen, doch stellt sich die Frage: Interagieren diese Figuren überhaupt miteinander? Und wenn ja wie? Dass die Freiburger Künstlerin oft unterschiedliche (Seelen-)Zustände gleichzeitig darstellt, deren Zusammenhänge untereinander nicht so einfach herzustellen sind, wird noch dadurch unterstrichen, dass Gast sich in vielen Bildernselbst darstellt. Mal in großer Ähnlichkeit zu ihrem tatsächlichen Aussehen, mal stärker abgewandelt, nicht selten mehrfach auf einem Bild und manchmal sogar in unterschiedlichen Geschlechterrollen.

Während die 45-jährige Künstlerin mit meist kurzen, prägnanten Titeln – wie „Der Biss“ oder „Die Fahrt“ – den Inhalt ihrer Bilder ebenso erklärt wie verschleiert, gibt Thomas Matt mit seinen Skulpturen, die oft „ohne Titel“ sind, dem Betrachter erst gar keine Vorgaben. Bei dem Bildhauer aus Falkau, der bereits an etlichen öffentlichen Plätzen in der Region – unter anderem in Freiburg, Bonndorf und Merdingen – ausgestellt hat, ist oft von „Wiege-“ oder „Kammobjekten“ die Rede: Assoziationen, die sich bei vielen Skulpturen des 47-Jährigen tatsächlich aufdrängen. Gleichgewicht, neudeutsch Balance, ist ein zentrales Thema im Werk des gebürtigen Schwarzwälders, der sich von der Arbeit mit Holz kommend immer stärker dem Stahl zugewandt hat.

Einige Objekte, die nun in Badenweiler zu sehen sind, faszinieren mit einer ebenso geschwungenen wie beschwingten Eleganz, die die anspruchsvolle Bearbeitung dieses Materials vergessen macht. Dabei arbeitet Matt viel mit Kontrasten: „Er stellt Statik gegen Dynamik, Stabilität geben Labilität, leicht gegen schwer, rund gegen eckig“, so die Freiburger Kunsthistorikerin Antje Lechleiter.

> Ruth Gast und Thomas Matt: Ausstellung in der European Art Gallery, Luisenstraße 22, in Badenweiler. Geöffnet sonntags 11 bis 19 Uhr und nach Vereinbarung, Telefon 07655/933 153 (bis 4. April).